Angela vs. Andenpakt. Eine Erfolgsgeschichte.

 

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FrA?her habe ich mich A�fter mal gefragt, wie so Leute wie Roland Koch und >>Friedbert PflA?ger so lange an der Spitze der CDU bleiben konnten. Und warum sie in nur wenigen Jahren die erste Reihe der CDU ruckartig verlieAYen. Interessanter Weise ist das eine der spannendesten Geschichten aus dem politischen Leben der Angela Merkel und ein SchlA?ssel zum VerstA�ndnis der Merkelschen Machtpolitik. Ein Akt politischer Auseinandersetzung, spannend wie ein Krimi.

LoyalitA�t ist in der Politik ein wertvolles Gut. Also das Wissen sich auf Menschen verlassen zu kA�nnen, ihnen grundsA�tzlich vertrauen zu kA�nnen, zu wissen, dass sie einen nicht im erst besten Moment verraten. Aus einer Bierlaune heraus haben sich Teile der Jungen Union Ende der 1970er Jahre diese LoyalitA�t versprochen. Damals flogen sie A?ber die Anden im Rahmen einer Austauschreise mit anderen zukA?nftigen konservativen FA?hrer_innen. FrA?h A?bt sich. Und die Beteiligten waren sich einig, dass aus ihren Reihen einmal ein Kanzler hervorkA�me (Frauen waren in diesem Kreis nur als Ehefrauen vorgesehen) – sie waren schlieAYlich die junge Elite der CDU.

Die zuweilen ins SchnA�selige abgleitende Reisegesellschaft in ihren bemitleidenswert schlecht sitzenden AnzA?gen wurde meist unangemessen prunkvoll hofiert. Auf hochflorigen Teppichen, in feinen Hotels und vor erlesenen Leckereien durften sie schon mal vorfA?hlen, wie es sein wA?rde, wenn sie es endlich zu den GroAYen gebracht haben wA?rden. (Quelle)

Der Andenpakt war geboren und tat seinen >>Mitgliedern lange einen guten Dienst. Die Mitglieder teilten sich relevante Positionen untereinander auf, unterstA?tzten sich gegenseitig und hielten A�ffentlich zusammen. Und das ohne sich als Gruppe identifizierbar zu machen. Eine unA?berschA�tzbare Waffe im innerparteilichen Machtkampf. Und die groAYe Frage, nA�mlich die K-Frage, konnte unter der A?bermacht Kohl lange genug vermieden werden. Selbst nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 A?bernahm Wolfgang SchA�uble und die Andenpakt-Mitglieder konzentrierten sich auf die BundeslA�nder. Erst zur Bundestagswahl 2002 brach der Machtkampf aus. Am Ende wurde es Stoiber und nicht, wie es traditionell geboten gewesen wA�re, Angela Merkel. Seit 2000 war Merkel Parteivorsitzende und in dieser Position unerfreulich schwach. Erst mit Mitte 30 zur CDU gestoAYen und da schnell Karriere gemacht, war sie nicht Teil der mA�chtigen MA�nner aus dem Westen. Sie wusste, glauben wir den Berichten, bis zum Moment der Machtprobe um die Kanzlerschaft 2002 nichts von dem BA?ndnis. Dennoch war sie Parteivorsitzende geworden – die letzte Politiker_in aus der ersten Reihe der damaligen CDU, die sich glaubhaft von der SpendenaffA�re(**) distanzieren konnte. Und das auch tat. (Und nebenbei Kohl und SchA�uble gegeneinander aufbrachte und Kohl endgA?ltig stA?rzte. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Bis zum Jahr 2000 waren sie [die Mitglieder des Andenpaktes] A?berzeugt, dass aus ihren Reihen eines Tages CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender, Kanzler und der Rest der Regierung hervorgehen wA?rden. Kohls Liebling Koch wurden die besten Chancen zugemessen. Doch dann kamen die Spenden in Berlin und Wiesbaden ans Licht. SchA�uble fiel. Angela Merkel stieg auf. Sie wA?rde eine vorA?bergehende Erscheinung sein, redeten sich die MA�nner ein. SchlieAYlich war sie im Kulturkreis der CDU weder kulturell noch historisch verankert. (Quelle)

Nicht nur war sie den MA�nnerbanden aus der Zeit der Jungen Union fremd, auch als Frau war sie weder willkommen, noch wurde sie so ernst genommen, wie das vielleicht angemessen gewesen wA�re. Denn: Wie hat so ein Treffen wohl ausgesehen? Wie verstanden es die elitA�ren, erfolgreichen Superfreunde, dieses „Herz der CDU, mA�nnlich, westlich, vorwiegend katholisch“, zu feiern? Liegt es nicht nahe, dass Angela Merkel bei diesen Treffen bis heute nicht wirklich willkommen ist? Und warum stelle ich mir sie im Angesicht eines feiernden Roland Kochs so vor?

 

Die Mitglieder des Andenpaktes konnten in ihre langfristigen Planungen seit JU-Zeiten, die Wende und was das fA?r Deutschland, die CDU und ihre Karrieren bedeuten wA?rde, kaum einplanen. Schon gar nicht, dass eine Frau aus dem Osten ihre Welt so komplett durcheinander bringen wA?rde. Dass Kohl weitsichtig genug war auch auf Angela Merkel zu setzen war ihr GlA?ck. Und ehrlich: Ein Roland Koch hA�tte ihre Erfolge der letzten Jahre wohl eher nicht eingefahren. Auch wenn es dafA?r jetzt vielleicht keine AfD gA�be. Aber zurA?ck zum Thema. Als Parteivorsitzende hA�tte es Merkel zugestanden gegen SchrA�der 2002 anzutreten. Der Andenpakt wollte das verhindern. WA�re Merkel einmal an der Macht, so fA?rchteten sie zu Recht, wA�re sie nur noch schlecht wieder zu entfernen. Und schlieAYlich musste die selbst gegebene Prophezeiung, dass einer von ihnen Kanzler werden wA?rde, erfA?llt werden. Stoiber schien auch alt genug, als dass danach noch einer aus ihren Reihen an die Spitze gelangen kA�nnte.

Am 9. Januar fA?hrt Koch eines der wenigen Telefonate in seinem Leben, die deutlich A?ber ZimmerlautstA�rke hinausgehen. Mit wachsender Fonzahl teilt er einer zunehmend bockigen Vorsitzenden mit, dass sie keinen RA?ckhalt, keine Chance, keine Berechtigung auf die Kandidatur habe. Merkel brA?llt zurA?ck, aber sie gibt sich geschlagen. (Quelle)

Vielleicht erkannte sie, dass sie diesen Machtkampf nicht gewinnen konnte, vielleicht wusste sie, dass Stoiber gegen SchrA�der verlieren wA?rde, dass auch ihre Chancen nicht allzu gut seien und dass sie dann 2006 eine neuen Versuch starten kA�nnte. Vielleicht hatte sie einfach ihr Ego im Griff und stand nach der Niederlage wieder auf. Oder sie hat von Kohl gelernt, der 1980 als Parteivositzender auf die Kanzlerkandidatur verzichtete und Franz-Joseph StrauAY mit Ernst Albrecht um die Nominierung kA�mpfen lieAY. Der Vater von Ursula von der Leyen verlor damals den internen Kampf gegen StrauAY, der dann wiederum gegen Schmidt verlor. 1983 wurde Kohl schlieAYlich Kanzler fA?r 16 bleierne Jahre.

Doch mit dem Sichtbarwerden des Andenpaktes wusste Merkel nun, wer da hinter dieser Wand stand, gegen die sie das letzte Jahrzehnt gerannt war. Sie hatte frA?h gelernt die internen Gruppen der Union und die Machtverteilung nachzuvollziehen. Der Andenpakt war ihr bisher unbekannt gewesen. Es gibt Menschen, die behaupten, dass sie bei der Nachricht A?ber die Existenz des Andenpaktes sehr, sehr wA?tend wurde. Doch schnell verstand sie, dass mit dem Wissen A?ber die Gruppe nun auch gegen sie gearbeitet werden konnte. Im Sommer 2003, nach der verlorenen Bundestagswahl, berichtete der Spiegel A?ber den Andenpakt. Das Geheimnis war gelA?ftet. Und damit die Macht, wie sich schnell zeigen sollte. Einer nach dem Anderen zog sich aus der Spitze der CDU zurA?ck. Mit dem Wissen A?ber die Gruppe war es zu einfach geworden sie gegeneinander auszupielen und wahrscheinlich machte sich auch ein wenig Panik breit. Die ersten Risse innerhalb des mA�chtigen MA�nnerzirkels? Stoiber war nun weg – wer von ihnen wA?rde jetzt Kanzler werden? Oder irgendwas anderes. Christian Wulff erkannte die Zeichen schnell: Opportunismus und Strebsamkeit brachten ihm letztendlich das PrA�sidentenamt, auch wenn die Frage bleibt, inwiefern Wulff verstand, dass er mit diesem Amt seine politische Karriere beenden wA?rde. Vielleicht betrachtete er es als verspA�testes DankeschA�n. SchlieAYlich soll er es gewesen sein, der Merkel als erstes von dem Andenpakt erzA�hlt hat. 13 Jahre spA�ter lA�sst sich sagen, dass der Machtkampf um die Kanzler_innenschaft 2002 der HA�hepunkt und das vorlA�ufige Ende des Andenpaktes war. Die MA�nner treffen sich immer noch ab und an und besprechen Dinge. Ob sie es nochmal schaffen die Merkel-CDU zu verA�ndern ist fraglich. Angela Merkel jedenfalls hat den Kampf gegen den Andenpakt zunA�chst gewonnen und dabei gezeigt, wie sie Macht ausA?bt: ruhig, kalt, mit chirugischer PrA�zision.

Genau! Zielstrebig und machtbewusst. Die hat von Kohl A?ber SchA�uble bis Merz immerhin die halbe CDU-FA?hrungsriege hingemeuchelt. So eine brauchen wir! (Pater Basilius)

Der Vorteil von Merkels anders sein (Frau, ostdeutsch, protestantisch, Naturwissenschaftlerin) zeigte sich in der Auseinandersetzung mit dem Andenpakt. Sie konnte Machtpolitik auf eine Art und Weise verfolgen, mehr oder minder unter dem Radar, wie keiner der mA�nnlichen Kollegen es zu tun vermochte. Irgendwie ist Merkel damit auch ein Rolemodel, ein Vorbild fA?r weibliche Macht, fA?r weibliche Ellenbogen. Daher rA?hrt wahrscheinlich auch die grenzenlose Bewunderung einer Alice Schwarzer. Endlich eine Frau an der Spitze, die es den Typen gezeigt hat! Ein wenig Genugtuung stellt sich da vielfach automatisch ein. Auf der anderen Seite reiht sie sich gerA�uschlos in die bestehenden Strukturen ein, verwaltet sie stoisch, reproduziert und relegitimiert sie dabei. Sie spiegelt den Zeitgeist postdemokratischen Technokratentums so wider, wie sie ihn verfestigt. Damit stellt sie sich in beste Unionstradition, die stets bemA?ht war im Zeichen des unmittelbaren Zeitgeistes zu stehen. Deswegen ist bei den MA�nnern des Andenpaktes auch etwas viel fundamentaleres zerbrochen, als auf den ersten Blick sichtbar wurde – mit dem Auftstieg Merkels wurde klar, dass sie nicht mehr Teil des Zeitgeistes sein wA?rden, wie ihnen das zu Beginn ihrer Karrieren versprochen wurde. Und tatsA�chlich: Wirken die Wulffs und Kochs nicht auf eine bizarre Art der Zeit entfallen? Vielleicht ist Merkel damit eine neue Prototypin weiblicher MachtausA?bung: Angela Machiavelli, wie sie Heribert Prantl anklagend bezeichnete. Am Ende jedoch bleiben erstmal Fragen: Was nutzt es, wenn eine Frau nun die gleiche Politik macht, wie jeder andere Mann es auch getan hA�tte? Und was nutzt es, wenn diese Politik nur nicht so brachial wirkt, weil eine Frau sie macht? (Achja. Und was eigentlich Macht ist. Aber das wird woanders diskutiert.)

Quellen:

(**) Wir erinnern uns: Die CDU-Elite „hatte mehrere illegale Parteispenden als angebliches Erbe deutscher Juden (die sogenannten a�zjA?dischen VermA�chtnissea�?) verbucht.“idk-girl

 

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1 Kommentar zu Angela vs. Andenpakt. Eine Erfolgsgeschichte.

  1. Interessant.

    Tatsächlich ging die Sache mit dem Andenpakt damals an mir vorbei, wohl weil mein Interesse an Politik damals noch eher latent war, und so las ich soeben doch tatsächlich zum ersten Male davon. (Was mich ehrlich gesagt fast ein bisschen schockiert. o.O) Also danke dafür. :3

    LG

    Ernst

Kommentare sind geschlossen.