Bundeskanzlerin on Instagram.

Screen Shot 2015-06-15 at 19.40.43Pünktlich zum Gu7te Laune Gipfel hat Angela Merkel ihren Instagramaccount bekannt gegeben. Nach Facebook und YouTube die nächste große Plattform, die sie zur Propaganda nutzt. Also sie selbst nicht, sondern die Bilder machen natürlich professionelle Photograph_innen. Ich habe mir mal die Bilder angeguckt und versucht zu verstehen, was sie uns sagen will. Außerdem vergebe ich Propagandapunkte. Aber los geht es mit den harten Fakten:

Statistik (Stand: 15. Juni 2015)

  • 67 Beiträge
    44 Tausend Follower
    9 Followings: u.a. Dilma Rousseff (Präsidentin von Brasilien), Enrique Nieto (Präsident von Mexiko), Tony Abbott (Ministerpräsident von Australien), Instagram, Weißes Haus, Europäisches Parlament, Mariano Rajoy Brey (Ministerpräsident Spanien)
  • 20% Schwarz-Weiß Bilder
  • Biographie: Einblicke in die politische Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch das Objektiv der offiziellen Fotografen der Bundesregierung.

 

Das erste Bild

 

 

Was will sie uns damit sagen? Merkel unterschreibt. Das ist letztlich natürlich ihr eigentlicher Job: Mit ihrem guten Namen ihrer Unterschrift im Namen des deutschen Volkes™ Entscheidungen verbindlich zu machen. Sie wirkt konzentriert, ruhig, gediegen, das spiegelt sich auch in der dunkelgrünen Jacketfarbe wider. Sie soll ernsthaft rüberkommen und die Männer in dunklen Anzügen warten auf sie, sind von ihr abhängig. Sie entscheidet ist die Botschaft.

Propagandapunkte: 7/10
Sie inszeniert sich als die einzig Mächtige und verschweigt so, dass sie zwar mächtig ist, aber eben Entscheidungen meist nicht alleine trifft. (Deswegen ja auch den G7-Gipfel …)

 

Was will sie uns sagen? Der Klassiker. Merkel als die Chefin der Bundewehr. Es hat etwas US-Amerikanisches: Die Chefin und ihre Kampfboys bzw. ist sogar eine Frau angedeutet. Wie fortschrittlich! Bundeswehr macht Spaß und sie nimmt das alles total ernst und so!

Propagandapunkte: 6/10

Nicht nur ist sie nicht die Oberbefehlshaberin, sondern von der Leyen bzw. ist sie es nur im Kriegsfall (hab ich was verpasst?) nach Artikel 115a (Im Verteidigungsfall. Deswegen haben sie wohl Afghanistan nicht Krieg nennen wollen, sonst hätten Schröder bzw Merkel verantwortlich gezeichnet.) sondern dann auch noch diese Glorifizierung des Militärs … brrr Auf der anderen Seite ist es so offensichtlich, dass die Propaganda nicht sonderlich gut durchschlagen sollte.

 

Was will sie uns sagen? Dass ihr Social Media Team bescheuerte Captions schreiben kann? Außerdem: Was ist denn das für eine Hashtagnutzung? #verstehichnicht #spiegelei #trendy

Abgesehen davon scheint sie gute Photograph_innen zu haben. Gut zu wissen, dass die Bundesregierung keine Probleme hat gute Photographen bezahlen zu können …. Es ist also ein hübsches Bild und die Kanzlerin wirkt wieder schwer beschäftigt. Vielleicht ist der Instagramaccount auch nur dazu da all die schönen Jackets zu zeigen. Hier: Korall-Rosa

Propagandapunkte: 8/10

Dieses Bild hat keine Aussage, außer, dass Merkel … ja auf dem G7-Gipfel mit Leuten redet, also arbeitet. Ein fast perfektes Propagandabild wären da nicht die albernen Hashtags. Naja, vielleicht gehören die ja auch dazu.

 

Was will sie uns damit sagen? Wahrscheinlich, dass auch Staatschef_innen nur normale Leute sind, die peinlich auf einem Golfcaddy rumgefahren werden. Oder genau das Gegenteil. Bei Merkel ist meistens beides zutreffend. Ihr Gesichtsausdruck ist mal wieder das comical relief – wie so oft.

Propgandapunkte: 7/10

Das Bild lässt sie in ihrem Wahnsinnsleben menschlich wirken. Etwas, was in unseren Zeiten essentiell ist. Solide gemacht.

Angela Merkel im Gespräch mit Menschen

… ist gleich eine ganze Kategorie. Rund ein Drittel der Photos sind Gesprächsszenen. Lachend, ernst, schmunzelnd. Alles.

Was sie uns damit sagen will?

Dass sie redet. Und redet. Wie so eine richtig Diplomatin – Bismarck! Das ist ihr Job. Was dieses Reden bedeutet? Keine Ahnung! Aber das ist ja auch zweitrangig, weil es geht ja um das Gefühl.

 

Sie ist nicht nur so eine richtige #Diplomatin, sie ist auch #technikaffin und das in schwarz-weiß gehüllt. Die schwarz-weiß Bilder sind auch eine eigene Kategorie. Alles weich, alles schön, alles toll, ein wenig nostalgisch auch.

Propagandapunkte: 9/10

Perfekte Inszenierung. Abzug gibt es für Apple, das ist nie gut für den Propagandaerfolg.

Was will sie uns sagen? Dass sie den Papst ernst nimmt. Deswegen auch das ernste Gesicht.

Propagandapunkte: 5/10

Bilder mit dem Papst sind obligatorisch. Erst Recht für die Staatschefin einer christlichen Partei. Und die Katholik_innen müssen ja beruhigt werden.

Was will sie uns sagen? Die Ukraine-Krise ist immer noch sehr schwer und eine Lösung liegt im Nebel. Außerdem hört Poroschenko ihr zu. Gut so! Das Datum im Bild deutet darauf hin, dass das Bild im März entstanden ist. Egal!

Propagandapunkte: 8/10

Das Bild ist alt und auch mit dem Datumshinweis ist die aktuelle Botschaft klar. Abzüge weil diejenigen, die für sie twittern, vielleicht einfach kein aktuelles Bild hatten und die Aussage nur halb so klar gemeint sein kann, wie sie wirkt.

 

Was will sie uns sagen? Dass ihr Büro hübsch ist? Es bleibt unklar.

Propagandapunkte: 9/10

Das Bild wirkt willkürlich – aber das ist wohl nichts, was gepostet wird und das macht es zu einem soliden Propagandabild. Seht her! Bei der Kanzlerin ist es schön!

 

Schloss Elmau 24 Stunden vor Beginn des #G7 Gipfels.

A photo posted by Angela Merkel (@bundeskanzlerin) on

Was will sie uns sagen? Das Bild ist die perfekte Symbolisierung des Gu7te Laune Gipfels. Politik? Egal!

Propagandapunkte: 10/10

Absolut ohne Aussage, aber das beliebteste Bild auf dem Instagram-Account. Alles richtig gemacht!

Fazit

Der Instagram-Account der Kanzlerin ist die perfekte Propagandamaschine. Die Bilder sind professionell und inszenieren ihre Herrschaft perfekt. Es ist interessant, das sie Instagram vor Twitter als offizielle Plattform gewählt hat. Wahrscheinlich ist selbst ihr Twitter zu doof. Außerdem ist Instagram eine sehr stark von jungen Frauen frequentierte Plattform – die absolute Zielgruppe der Kanzlerin. Auch die Namenswahl ist gut getroffen: Bundeskanzlerin. Sie plant das Amt wohl noch zu haben und nur an eine Nachfolgerin abzugeben. Tja, Siggi, dass war eindeutig.

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2 Kommentare zu Bundeskanzlerin on Instagram.

  1. Besonders spannend finde ich das Bild mit dem Papst. Ich denke mal, dass Merkel hier nur bedingten Einfluss auf die Inszenierung hatte. Dadurch, dass nur ein Teil des Gesichtes des Papstes sichtbar ist, wirkt dieser sterotypisiert und übermenschlich. Er wirkt quasi wie die graue Eminenz, vor der Merkel, die sich wiederum im Bildzentrum befindet (ausliefert), Rechenschaft ablegen muss. Dieser Eindruck des Ausgeliefertsein wird durch die Schärfe, die sich auf ihr Gesicht konzentriert, welches vollständig sichtbar ist (menschlich!) verstärkt. Zwischen ihr und dem weißen Licht dieser Gegenlichtsituation befinden sich übrigens noch einmal geistliche Herren, die quasi eine Trennwand bilden 😉 Das interessante an dem Bild ist, dass es Merkel gleichzeitig (aufs Menschliche, Bescheidene) einschränkt und ihr trotzdem (wow sie sitzt beim Papst!) irgendwie Macht zuschreibt.

    P.S.: Propaganda kann auch der Vatikan!

  2. Hallo Julia,

    Danke schön für deine Analysen. Finde das nen ausgesprochen nützlichen Weg auf die professionelle öffentliche Darstellung Angela Merkels einzugehen und sich mit dem Bild, das sie oder ihr Team der Öffentlichkeit von ihr vermitteln wollen, auseinanderzusetzen.

    Ich finde deine Analysen oft treffend und passend. Das Foto des Fotografen, der das Bild von Angela Merkel bearbeitet, interpretiere ich so, dass damit vermittelt oder angedeutet werden soll, dass die Fotos eben nur eine eingefärbte Aufnahme der Arbeit der Kanzlerin darstellen, und keineswegs die (auf keinen Fall vollständige oder objektive) Realität der Ereignisse darstellen.

    Dein Fazit betreffend: Ich denke nicht, dass ihr Twitter zu doof ist, aber aus den Interviews, die sie Herlinde Koelbl für ihren Foto/Interview – Band „Spuren der Macht“ gegeben hat, schließe ich, dass sie früh mit unsachlicher, persönlicher Kritik konfrontiert worden ist und sie sich daher nicht auf eine direkte, ungefilterte textliche Konfrontation mit der Öffentlichkeit einlassen will. Und das kann ich leider auch nachvollziehen, obwohl ich es für mein Verständnis der Gesellschaft in der ich lebe und des Umgangs miteinander höchst interessant fände.

    Danke für deine Arbeit, ich mag dein Projekt. 🙂

    Liebe Grüße,
    Chris

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