Der Merkel-GrA�he-Deutschland-Komplex

Es ist der 22. September 2013, kurz nach 21 Uhr. Gerade ist klar geworden, dass Angela Merkel ihre Wiederwahl als Kanzlerin sichern konnte. Sie steht auf der BA?hne, zusammen mit Ursula von der Leyen, Roland Pofalla und Hermann GrA�he. Die Stimmung ist ausgelassen, die CDU wieder eine Volkspartei, Kanzlerin Merkel bleibt Kanzlerin. Ein phA�nomenaler Triumph, der ihre internen Kritiker_innen in die Schranken weist. Deutschland liebt Merkel.

Wahrscheinlich will GrA�he deswegen mit dem kleinen SchlandfA�hnchen auf der BA?hne schunkeln, das ihm aus dem Hintergrund gereicht wird. Nur ein kleines. Es lA�uft a�zAn Tagen wie diesena�?, alle singen mit, sind ausgelassen. Nur Angela Merkel nicht. Sie guckt angespannt, unterbricht ihr Klatschen und nimmt Hermann GrA�he das FA�hnchen weg. Ihr Gesichtsausdruck sagt a�zHermann! Also. Sowas macht man nicht. Das ist unanstA�ndig.a�?

Eine Szene, die viel A?ber Merkel verrA�t, die national gesinnte Menschen zur WeiAYglut treibt (das zeigt sich bereits daran, wer mit welchen Kommentaren das Video bei YouTube hochgeladen hat) und Sympathien auf linker Seite erzeugt, die einer Kanzlerin meist nicht gebA?hren. Gleichzeitig verwundert es auf den ersten Blick, denn schlieAYlich ist Angela Merkel die Kanzlerin, die deutsche Interessen in den letzten Jahrzehnten am konsequentesten verfolgt hat. In ihrem pragmatisch-nA?chternen FA?hrungsstil agiert sie als Managerin der Bundesrepublik und ist darauf bedacht den deutschen Staat ideal zu positionieren. Gegen China. FA?r die BA?rger_innen. Stark. WohlstA�ndig.

Sie ist eine postdemokratische Nationalstaatsmanagerin, ohne Pathos und Vision, ohne dramatische Gesten.

Und auch ohne Flaggen und FA�hnchen. Denn Drama erzeugt Emotionen. Und Emotionen sind schwerer zu lenken. Akribisch studiert sie die jeweilige Lage und sucht dann die ideale LA�sung. Wie ein Puzzle oder eine mathematische Formel. Bei einem GesprA�ch mit dem Cicero im Berliner Ensemble sagte sie, dass sie erst alles durchdacht haben mA?sse, um eine Entscheidung treffen zu kA�nnen. Das Publikum war von dieser banalen Antwort ebenso A?berrascht, wie erfreut. Das ist es, was Angela Merkel ausmacht: unaufgeregt, bedacht und dennoch rasend aufmerksam. Und auch deswegen kann sie deutsche Interessen auf eine Art vertreten und durchsetzen, wie es lange nicht fA?r mA�glich gehalten worden war und auch ein wenig unanstA�ndig riecht. Nicht zuletzt handelte sie im deutschen Sinne auf dem RA?cken der restlichen europA�ischen Staaten. Dabei begleitet sie keine GroAYmachtsphantasie, keine Vision von der A?bermacht Deutschland. Deutschland findet sie wahrscheinlich eigentlich gar nicht so wichtig. Sie managt es halt nur. Und auAYerdem ist nicht mehrA� Wahlkampf.

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1 Kommentar zu Der Merkel-GrA�he-Deutschland-Komplex

  1. Naja, Kritik biste sicher schon gewohnt, Julia… fand Deinen Hintergrund recht interessant, auch Deine Geschichte, wollte mal lesen, wie Du heute die Welt siehst… und wo landet man? Bei einem Merkel_Beweihräucherungs_Blog… oha… naja, dann viel Spaß noch dabei… „Geschlechts-geschönte“ Sprache übertüncht Inhalte leider nicht ausreichend…

Kommentare sind geschlossen.