Merkel und die Blogosphäre.

header blogosphäreLetztens las ich einen Blogbeitrag über Merkel. Einen guten. Zu dem Atomstromding. Von Lübberding. (Mehr dazu hier) Und da fiel mir plötzlich auf, dass das eine wahre Ausnahme ist. Also das sich ein Blog mit der Machtphysik – wie das bei Hajo Schumacher heißt – der Merkel auseinandersetzt. Es gibt da die ins Internet befreiten Printartikel profilierter Journalist_innen, die sich selbstverständlich mit der mächtigsten Politikerin der Welt beschäftigen. Auch im Ausland. Der Guardian hat ja sogar eine richtige Liebe für Merkel entwickelt. Etablierte Blogs beschäftigen sich natürlich auch je nach Anlass mit irgendwas rund um Merkel – Niggemeier z.B. oder auch schleckysilberstein. Aber wirklich mit Merkel beschäftigen sich diese Leute im Internet erschreckend wenig. Im netzbasierten Feminismus findet sie immer noch einfach gar nicht statt, das feministisch angehauchte Lifestyle-Magazin edition f titelte sogar „Ein Mädchen wird keine Bundeskanzlerin“ (jaja, der Punkt ist, dass Merkel die Ausnahme ist, blabla, aber das wird nur in einem Satz abgehandelt ohne ausgeführt zu werden oder überhaupt Merkel und ihren Weg zu thematisieren), die Netzgemeinde™ interessiert sich nur für die „Queen of Europe“, wenn sie sie mit Häme überziehen kann für ihr vermeintliches Nicht-Wissen bezüglich des Internets und politische Blogs … naja, da sind eigentlich nur diese absurden Verschwörungsblogs, auf denen Merkel als Jüdin „identifiziert“ wird und ihre fiesen Weltbeherrschungspläne aufgedeckt werden. Oder so.

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Screen Shot 2015-04-12 at 16.46.27Achja und dann ist da noch das hier: http://berufebilder.de/2014/karriere-angela-merkel-authentisch/

Warum das interessant ist? Merkel konstituiert ihre Macht wesentlich darüber, dass sich letztlich nur oberflächlich mit ihr beschäftigt wird. Sie fliegt auf eine bizarre Art unter dem Radar. Auch ich merke bei jedem Post über sie, wie schwer Merkel kritisiert werden kann, ohne das es albern wirkt. Die immer von ihr bemühten Sachzwänge sind eben diese – sie tut ja irgendwie ihr bestes in diesem komplizierten und verschachtelten Spiel. Also das, was für die bürgerliche Mehrheit der Deutschen™ das beste ist. Unter den Umständen. Das spüren wir. Das wissen wir. Merkel lässt uns schmerzlich die Grenzen der nationalstaatsorientierten Sozialdemokratie spüren, die sie so perfekt zu spielen weiß. Mehr noch: Ihre Beweggründe sind angesichts der Partei, der sie vorsteht, der Machtkonstellation im Bundestag und der hegemonialen Kultur in dem Land, das sie regiert, nachvollziehbar. Klar muss sie Rücksicht auf die CSU nehmen. Klar muss sie das konservative Milieu bedienen. Klar kann sie nicht gegen eine Mehrheit regieren. Klar, klar, klar ….

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Das bedeutet also, dass Kritik an konkreten Entscheidungen mal ausgenommen, ihre politische Machtperformanz so weit überzeugend ist, ihr Stil so pragmatisch und unprätentios, dass Kritik an ihr als Mensch und Politikerin regelrecht verpufft. Wenn sie denn überhaupt geäußert wird. Es ist ein Elend. Und erklärt vielleicht auch, warum sich im Netz und auch in den Sozialen Netzwerken die Leute sich entweder mit Verschwörungswust beschäftigen – oder halt mit dringenden Themen.

Wahrscheinlich ist Merkel nur über die Kritik unserer postdemokratischen Zeiten kritisierbar, weil sie ein Symbol des Zeitgeistes ist, weil sie der Zeitgeist ist. Dass die Blogosphäre sich mit der mächtigen Politikerin Merkel nicht beschäftigt ist also Symptom und Ursache. Ein paar zarte Ansätze bei der Auseinandersetzung mit ihr, die kreativer sind, gibt es mittlerweile. Das Blog hier hat – und das kann ich mit ein wenig stolz ja auch mal sagen! :) – einen Anfang gemacht, aber möge dem mehr folgen!

 

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