Rezension: Leo Fischer schreibt A?ber den Merkelnator 2000

Screen Shot 2015-02-14 at 14.24.24Disclaimer: Ich finde Leo Fischer superlustig und schlau und entsprechend fA�llt die Rezension aus. Because actually it’s about ethics in book journalism.

Leo Fischer hat ein Buch geschrieben. A?ber Merkel. Das ist zunA�chst einmal zu begrA?AYen, denn wenn es ein Thema gibt, A?ber das die Deutschen nicht allzugerne so richtig gnadenlos reden, dann sind es ihre FA?hrer_innen. Und das fA?hrt dazu, dass der mA�chtigsten Frau der Welt einfach nicht wirklich auf die Finger geschaut wird. Stattdessen erklimmt Merkel Stufe fA?r Stufe zum Olymp der Macht (Quasi-KA�nigin von Europa ist sie ja schon) und wird dabei von einer Horde journalistischer Cheerleader und missgA?nstig drein guckender Freaks und Geeks begleitet. Dabei erklimmt sie eigentlich den Olymp der Vernunft: Merkel, die Bedachte, die ZurA?ckhaltende, die Rationale, die es sogar im Kampf mit Putin versteht klug und bedacht zu bleiben – Vernunftmaschine nannte sie der Spiegel. Und als hA�tte der Spiegel heimlich Fischers Buch gelesen – oder eben nicht – beschreibt dieser in seinem Buch „Niemand sagt’s Angela – das supergeheime AbhA�rprojekt der NSA“ auch genau das: Wie die Vernunftmaschine Merkel die Welt an den Rand der ZerstA�rung treibt. Also irgendwie. Zuviel soll von der Geschichte selbst nicht verraten werden. Und auch wenn Fischer sich zuweilen in den klassischen Fallstricken der Satire verfA�ngt – ein wenig infantil und die Frauenfiguren sind wesentlich mehr von abgegriffenen Klischees (und entsprechend der Reproduktion sexistischer Motive) betroffen als MA�nner, ganz besonders Ursula von der Leyen – gelingt es ihm in dieser groAYen Quatschgeschichte um Angela Merkel das prA�zise PortrA�t einer postdemokratischen Nationalstaatsmanagerin zu zeichnen, die den Zeitgeist nicht nur verkA�rpert, sondern ihn prA�gt. Die der Zeitgeist ist. Nebenbei schafft es Fischer eine beiAYende Kritik an unseren digitalen ZustA�nden zu schreiben, die so schmerzhaft wie wahr ist. Gerade, weil das menschliche Dasein so furchtbar trivial ist und auch das digitale Zeitalter daran wenig zu A�ndern vermag. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum soviel A?ber Merkel geredet und geschrieben und so wenig gesagt wird: Die TrivialitA�t tut zu sehr weh.

 

Leo Fischer, Niemand sagt’s Angela – Das supergeheime AbhA�rprojekt der NSA, erschienen bei Bastei LA?bbe.

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