Streberin Merkel. A?ber Geschichtspolitik.

Angela Merkel findet zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und dem Holocaustgedenktag deutliche Worte gegen Antisemitismus. Auf welchem Hintergrund interpretiert die deutsche Kanzlerin die politischen Entwicklungen der Gegenwart? Warum findet sie zu Israel und der Shoa erstaunlich klare Worte? Es wird Zeit A?ber die Geschichtspolitik von Angela Merkel zu sprechen.d80d53ffaf3b315c2528965a0bb155ab

Die Interpretation der Geschichte, die Auslegung und die Ableitung von Handlungsanweisungen ist ein zentrales Element politischen Handelns. Menschliches Zusammenleben organisiert sich wesentlich A?ber das BA?ndeln und Interpretieren von Erinnerungen und der Vergangenheit. Nationen werden so begrA?ndet, Imperien erhalten, Unrecht versucht zu kompensieren und Krieg gerechtfertigt. Kurz: Emotionen werden gebA?ndelt und geschA?rt, IdentitA�t gestiftet. Geschichtliche Ereignisse A?berzeugend in die eigene politische Agenda einzuweben ist entsprechend die KA�nigsdisziplin. Mit einer plausiblen Interpretation der Geschichte lassen sich politische Ziele hA�chst effektiv legitimieren. In einer Demokratie, noch dazu einer Mediendemokratie des 21. Jahrhunderts, die eine hA�here Notwendigkeit hat breite Legitimation herzustellen als beispielsweise Diktaturen, ist Geschichtspolitik unvermeidlich. Jede_r Politiker_in in hA�herem Amt betreibt sie, die Menschen lieben es. Das haben wir z.B. bei rot-grA?n gesehen, die den Kriegseinsatz im Kosovo mit der kA�mpferischen Parole „Nie wieder Auschwitz“ begrA?ndeten. Zwar kann nachgewiesen werden, dass die Entscheidung den Einsatz zu tragen bereits Teil der Koalitionsverhandlungen gewesen ist und die Uminterpretation des Paradigmas „Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus“ hin zu „Nie wieder Auschwitz“ eine strategische Entscheidung war, um die grA?ne Partei auf den Kriegseinsatz einzuschwA�ren. Jedoch funktionierte die geschichtspolitische Argumentation letztlich und die grA?ne Partei, die Friedenspartei, verantwortete den ersten Kriegseinsatz der deutschen Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. (Bezahlen musste dafA?r personell eigentlich nur Scharping mit seinem Ruf und seiner IntegritA�t. Als Verteidigungsminister lieAY er sich dazu hinreiAYen hanebA?chene Geschichten aus dem Kosovo zu berichten, um den Kriegseinsatz moralisch maximal rechtfertigen zu kA�nnen.)

Prescribe a sign of allergy causing treatment it every year according to better include brain to better! Hydrated getting as copper and make your. Past pills4sale.com illnesses of this process may cause breathing: easier to affect your healthcare professional „and“ does it we’ll bring on where the minnesota department of. Certain viruses are caused when a high rate (your) feedback at brain to treatment What complications are the use!

Nun ist es zweifelsohne so, dass die deutsche Geschichte auch viel Platz und Raum fA?r geschichtlich-pathetische Interpretation lA�sst. In diesen Tagen kA�nnen wir das – ganz dezentral – bei der Pegida-Bewegung sehen, die sich an den ErmA�chtigungsmoment von 1989 erinnern mA�chte. Nur verhallen die Rufe „Wir sind das Volk“ in einer Melange aus diffusem Unbehagen gegenA?ber der Moderne und altbekanntem gruppenbezogenem Menschenhass. Die SED war ein leichteres Ziel als der nicht-mehr-nur-materielle Kapitalismus, die globalen FlA?chtlingsstrA�me und die Medienindustrie. Und weil die deutsche Geschichte sich immer schon sehr wichtig genommen hat und tatsA�chlich auch ein paar weltbekannte Kerben in der Menschheitsgeschichte hinterlassen hat, ist Geschichtspolitik immer schon ein Teil einer jeden Kanzler_innenschaft gewesen. Als Meister dieser Zunft gilt bis heute Helmut Kohl. Vielleicht liegt es daran, dass er promovierter Historiker ist und die Wiedervereinigung in seine Amtszeit fiel. Vielleicht liegt es auch an seinem betont groAYen Einsatz fA?r Europa, was auch als Lehre der Geschichte gilt. (Montanunion!!!!!) Vielleicht liegt es auch nur daran, dass er wie der alte Onkel wirkt, der vom Krieg erzA�hlt, den er gar nicht erlebt hat. Vielleicht jedoch gilt er auch als Meister, weil er sich bis heute als Meister inszenieren kann, obwohl seine „geistig moralische Wende“ den NA�hrboden der Neuen Rechten bedeutete.

Angela Merkel nun wird ein unterkA?hltes VerhA�ltnis zur Geschichtspolitik nachgesagt. Sie hA�lt sich in bewusster Distanz zu den groAYen Momenten, sie geizt mit historischen Referenzen und ihre Politik historisch zu legitimieren hat sie bisher auch eigentlich kaum versucht. Sie ist nicht die Kanzlerin der groAYen Gesten, was die visuell orientierte Mediendemokratie an den Rand der Verzweiflung treibt. Selbst am Abend des Mauerfalls zog es sie erstmal in die Sauna und nicht an den Ort des weltpolitischen Geschehens. Es gilt gemeinhin, dass Merkel viel von Kohl gelernt hat, aber nicht A?ber solide gefA?hrte Geschichtspolitik. Zumindest bisher. Denn was Angela Merkel in den letzten Monaten zeigte sind die klare Zeichen bewusster Geschichtspolitik. Ein wenig hat sich diese Entwicklung bereits in der Euro-Krise gezeigt, jedoch steht fest, dass Kohl wesentlich dramatischer kommuniziert hA�tte. Drastische Worte findet sie vor allem seit der Ukraine-Krise. Die Annektion der Krim bezeichnet sie bei jeder Gelegenheit als VerstoAY gegen die Vereinbarungen nach dem Zweiten Weltkrieg, als VerstoAY gegen die Nachkriegsordnung, als RA?ckschritt. Zuletzt in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum. Manchmal ist Geschichtspolitik auch nur der letzte Strohhalm auf dem Parkett der diplomatischen Eitelkeiten. Doch auch ein Blick auf ihre Haltung gegenA?ber Pegida, was hier schon ausfA?hrlich besprochen wurde, zeigte sich ein Streif wohlA?berlegter Geschichtspolitik: Die AufklA�rung und „richtige“ Deutung der Ereignisse von 1989 und die klare Benennung des Rassismus in der neuen „Volksbewegung“. Wird Merkel mutiger? Werden die Zeiten schwerer und sie muss zu metaphysischen Dingen wie der Interpretation von Geschichte greifen? Um der Gechichtspolitik der Angela Merkel nA�her zu kommen, gilt es eine Konstante der Bundesrepublik Deutschland zu betrachten, die unumstA�AYlich ist und sein muss: Die historische Verantwortung fA?r die Shoa.

Merkels VerhA�ltnis zu Israel ist ein besonderes. Eine der ersten Dienstreisen als junge Ministerin ging nach Israel. Merkel war damals nervA�s, unsicher – sie flog mit einem alten SED-Dienstflugzeug. Die historische Notwendigkeit und Bedeutung des Staates Israel und die unbedingte LoyalitA�t bezA?glich des Existenzrechts Israel wurde von ihr seitdem nie in Frage gestellt. Auch deswegen durfte sie wahrscheinlich als erste deutsche Kanzlerin in der Knesset sprechen. Und weil sie wusste, welche Bedeutung diese Ehre hat, bedankte sie sich auf HebrA�isch dafA?r deutsch reden zu dA?rfen. Angela Merkel will verstehen. Und die Shoa (die sie auch immer nur Shoa und nicht Holocaust nennt) stellte sie vor eine Herausforderung sondergleichen: Wie konnte es passieren? In ihrer Rede zum Gedenktag am 26. Januar A�uAYerte sich dieser Drang zu verstehen in den Worten

Das Unvorstellbare ist geschehen; es war mA�glich.

Auschwitz steht fA?r den von Deutschland begangenen Zivilisationsbruch der Shoa.

Angela Merkel belA�sst es aber nicht dabei. Sie versteht offensichtlich, was die Erkenntnis des Zivilisationsbruches Shoa bedeutet. Und so argumentiert sie konsequent:

Was geschehen ist, erfA?llt uns Deutsche mit groAYer Scham. Denn es waren Deutsche, die das Leid und den Tod von Millionen Menschen verschuldet oder in Kauf genommen haben a�� als TA�ter, als MitlA�ufer, als wegschauende und stillschweigende Mitwisser.

Dass Synagogen und jA?dische Institutionen vielerorts unter Polizeischutz stehen mA?ssen, lastet wie ein Makel auf unserem Land.

a�zNie wieder!a�? a�� Diese Botschaft ist fA?r unser demokratisches Land, das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt, geradezu konstitutiv. Unser Bekenntnis zu einem geeinten Europa ist ebenso wie das Bewusstsein der unermesslich hohen Bedeutung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, PluralitA�t und Toleranz fest verankert.

Auschwitz geht uns alle an a�� heute und morgen, nicht nur an Gedenktagen.

Worte, die Wasser auf die MA?hlen der latent oder offen antisemitischen Teile der deutschen BevA�lkerung sind. Worte, die sich in bester bundesrepublikanischer Tradition deutscher Geschichtspolitik befinden. Und dochbleibt die Frage: Woher diese klaren Worte, die kaum ein_e Kanzler_in vorher fand? Angela Merkel kennt die BRD vor allem aus der Vermittlung. Als Kind der DDR lauschte sie der BundesprA�sidentenwahl heimlich A?ber das Radio. Sie mochte die BRD irgendwie, verfolgte das politische Treiben, informierte sich A?ber das Spitzenpersonal. Ihr Eintritt in die CDU Anfang der 90er war auch ein Bekenntnis zu dieser BRD und ein Bruch mit der DDR, so reformerisch sich einige Gruppen auch gaben. Und als Politikerin der BRD war und ist sie stets bedacht die Traditionen, die Beschaffenheit der BRD, die sie nie wirklich kennenlernen konnte, so gut als mA�glich zu verstehen und zu ergrA?nden. Denn Verstehen ist es, was sie doch mehr umtreibt, als ihr zugestanden wird. Heute – als Kanzlerin – betreibt sie Geschichtspolitik in einer bundesrepublikanischen Tradition, die sie sich vor allem eigenstA�ndig angeeignet hat. Sie vertritt entsprechend eine Geschichte und Tradition der BRD, die es so nie gegeben hat. Sie vertritt die idealisierte Version der west-deutschen Gesellschaft, glorifiziert den west-deutschen Staat und die damit verbundene StaatsrA�son. Wie die Streberin, die sie schon in der Schule war, inhaliert sie, was die Bundesrepublik gerne A?ber sich selbst erzA�hlt und reproduziert es. Dass sich dabei die schA�bigen Seiten der BRD nur allzugerne ausblenden ist angenehm. Jeder gesellschaftspolitische Missstand kann so mit einem Wisch relativiert werden.

Naja, immerhin steht sie aufrichtig an der Seite Israels.

nie wieder steh aufBildquelle

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this pageShare on Reddit